tagung 2024

HaHa. Das Komische des Populären

Hildesheim, 16. bis 18. Mai
Eine Veranstaltung des Instituts für medien, theater und populäre Kultur

Das Komische führt gegenwärtig ein interessantes Doppelleben: Es ist omnipräsent in den Sozialen Medien, die scheinbar für kluge wie banale, absurde wie verletzende Situations- und Kommunikationskomik erfunden worden sind, und es ist Teil eines politischen Diskurses, der die Grenzen der Lachkultur neu auslotet. Über jene sich wandelnde „Lachkultur“ ist seit Michael Bachtin ausgiebig nachgedacht worden: als eine anthropologische Konstante der Praxis des Lachens und Mit-Lachens (Henri Bergson), als regionale Grenzziehung („Stammesspott“) und immer wieder als eine ästhetische und mediale Inszenierung, die heute mit Vehemenz die Frage stellt, wer überhaupt unter welchen Bedingungen als komisch gelten soll und komisch sein darf? Als „comedy arguing against comedy“ bezeichnete die New York Times 2018 die Show „Nanette“ der Komikerin Hannah Gadsby, die sich darin selbst vorwarf, Witze über ihre Queerness gemacht zu haben, bzw. machen zu müssen: „I built a career out of self-deprecation-humour, and I simply will not do this anymore, not to myself or anybody who identifies with me.”


Die Tagung widmet sich vor diesem Hintergrund den Inszenierungen, Erzählungen und Kontextualisierungen des Komischen in populären Kulturen. Sie fragt nach den massenmedialen Apparaturen, in denen und durch die das Komische auftritt genauso wie nach den lebens- und alltagspraktischen Sinngehalten des Komischen. Kulturhistorische Perspektiven können und sollen neben medien- und kommunikationsethnographischen Ansätzen zu Wort kommen, das Komische als Erzählgattung spezifischer Genres adressiert werden, die Wechselwirkungen zwischen professionellen und de-/professionellen Akteur:innen beleuchtet oder die materiell-leiblichen Aspekte des Komischen zwischen Slapstick und Memes ausgelotet werden. Die Grenzen zu populistischen Strategien der Spottlust und Deklassierung (Ciceros Reden gegen Verres, Trumps Verhöhnung von DeSantis) mögen ein weiteres Feld der Analyse sein, so wie auch Helga Kotthoffs frühe Studien zum „Gelächter der Geschlechter“ (1988), die heute auf weitere asymmetrische Machtverhältnisse zu übertragen wären, in denen das Komische auf ambivalente Weise in Erscheinung tritt. Und, als eine Möglichkeit der Metareflexion des Themas: Gibt es vielleicht ein als komisch zu beobachtendes wissenschaftliches Schreiben, das damit die eigenen Grenzen zum Populären auslotet?


Insofern die Tagung einen Rahmen eröffnet, in dem sowohl die kommunikativen, situativ und sozial
eingebundenen Praktiken des Komischen, als auch deren ästhetische und massenmediale Inszenierungen adressiert werden können, ist die eingangs skizzierte Situation auch auf dieser Skala zu verorten: Auf welche Weise ist die dialektische Struktur des Komischen – eine unangemessene Antwort auf unangemessene Verhältnisse zu geben – heute geeignet, Denk- und Erfahrungsräume zu öffnen, beziehungsweise in den Formen der populären Unterhaltung offen zu halten?