Kulturen populärer Unterhaltung und Vergnügung (KPUV)

Call for Papers

Mediated Pasts – Popular Pleasures:

Medien und Praktiken populärkulturellen Erinnerns

Tagung der dgv-Kommission „Kulturen populärer Unterhaltung und Vergnügung”, Institut für Europäische Ethnologie & Centre for Anthropological Research on Museums and Heritage (CARMAH) an der Humboldt-Universität zu Berlin, 4.- 6. Oktober 2018.

Das Vergnügen an der medialen Vergegenwärtigung von Vergangenem ist ein zentraler Bestandteil von Populärkulturen: sei es die Aufarbeitung von Geschichte in Romanen, Filmen oder Videospielen; seien es die nostalgischen Sammlerpraktiken von „Fans“ und „Geeks“; sei es der auf Unterhaltung zielende Besuch von populärkulturellen Ausstellungen, Museen oder von „Dark Heritage”; sei es das individuelle Selfie zur Erinnerung an die Begegnung mit dem YouTube-Star; oder das Machen, Sharen und Liken von Videos gemeinsam besuchter Konzerte oder Fußballspiele über Social Media.

Die fünfte Arbeitstagung der dgv-Kommission „Kulturen populärer Unterhaltung und Vergnügung” (www.kpuv.de), die in Kooperation mit dem „Centre for Anthropological Research on Museums and Heritage” (CARMAH, www.carmah.berlin) am Institut für Europäische Ethnologie der Humboldt-Universität zu Berlin stattfindet, widmet sich dem Schnittfeld von Medien-, Erinnerungs- und Populärkulturen. Am Titel „Mediated Pasts – Popular Pleasures” interessiert uns vor allem der verbindende Gedankenstrich: Inwiefern werden medialisierte Vergangenheiten zum integralen Bestandteil von Vergnügen? Und inwiefern fließt das Vergnügen wiederum in das Erinnern und damit die Gestaltung von Vergangenheiten ein?

Dabei verstehen wir „Erinnerungen” im Sinne einer prozessorientierten ethnografischen Erinnerungsforschung eben nicht als geschlossene Entitäten, sondern als Praktiken und Prozesse der zeitlich, räumlich und sozial situierten Vergegenwärtigung. Auf theoretischer Ebene ist dabei insbesondere die Frage relevant, wie Materialitäten (Körper, Artefakte, Dinge, Räume) und Technologien (vom Fernseher bis zum Smartphone) in populärkulturellen Praktiken zu Medien werden, die durch ihre spezifischen Affordanzen die Vergegenwärtigung von Vergangenem mitgestalten. Empirisch interessiert uns erstens, wie durch mediengestützte Vergegenwärtigung die ästhetischen, sinnlichen und emotionalen Erfahrungen des Erinnerns zu „popular pleasures“ (Fiske) werden, und wie dadurch zweitens Vergangenes als sinnstiftender Bezugsrahmen der Gegenwart auf spezifische Weise transformiert wird.

Letzteres ist für uns eine Frage von gesellschaftspolitischer Relevanz. Denn die Art und Weise, wie die Vergangenheit vergegenwärtigt wird, ist zentral für die Aushandlung von soziokulturellen Zugehörigkeiten, Selbst- wie Fremdbildern und Wir-Gefühlen. Durch ihre ästhetische und emotionale Zugkraft haben populärkulturelle Medien und Praktiken ein besonderes Potenzial zur Mitgestaltung dieser Dimensionen. Und es ist Aufgabe einer kritischen Populärkulturforschung, diese Potenziale zu hinterfragen: einerseits auf breiter gesellschaftspolitischer Ebene, auf der die Konstruktion imaginierter Gemeinschaftenlängst durch populärkulturelles Erinnern geprägt wird (Beispiel: Filme wie „Good Bye Lenin“, „Ostalgie“ und die Konstruktion des „Ostens“); aber zugleich auch auf individueller alltäglicher Ebene, wo populärkulturelles Erinnern zentraler Aspekt der Verortung in soziokulturellen Lebenswelten ist (Beispiel: das Selfie im ehemaligen Konzentrationslager als streitbare Form des In-Bezug-Setzens zum Holocaust).

Solche und weitere Perspektiven möchte die Arbeitstagung eröffnen. Erbeten sind sowohl theoretisch-konzeptuelle als auch empirische Beiträge. Vorträge in englischer Sprache sind herzlich willkommen! Da wir bei den Arbeitstagungen der Kommission aber viel Wert auf die lebendige und kritische Diskussion legen, sollten internationale Teilnehmer*innen auch den deutschsprachigen Beiträgen inhaltlich folgen können. Eine Publikation der Beiträge im Rahmen der Schriftenreihe der Kommission ist geplant. Die Exposés (max. 3000 Zeichen) mit Titel und kurzem CV bis zum 31.01.2018 bitte senden an: christoph.bareither@hu-berlin.de und ingrid.tomkowiak@uzh.ch

 

Kürzlich erschienen, alle Informationen finden Sie hier.

Tomkowiak, Ingrid / Frizzoni, Brigitte / Trummer, Manuel (Hrsg.): Action! Artefakt, Ereignis, Erlebnis. Kulturen populärer Unterhaltung und Vergnügung, Bd. 3. Königshausen & Neumann, Würzburg

Inhaltsverzeichnis

Vorwort


 

Über die Kommission

Die Kommission Kulturen populärer Unterhaltung und Vergnügung (KPUV) ist eine Kommission der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde. Sie will den zahlreichen zu diesem Thema arbeitenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ein gemeinsames Forum bieten. In das Themengebiet fallen u.a. Praktiken der Gestaltung und Nutzung populärer Medien (Film und Fernsehen, Literatur, Computerspiele), Sportarten und Freizeiträume, Fan-Szenen und Vereine, Hobby-Wissen, Fest- und Eventkultur. Historische Perspektivierungen stehen dabei ebenso im Mittelpunkt wie gegenwartsorientierte Ethnographien. Derartige Forschungen, die sich in zahlreichen Artikeln, Dissertationen und Monographien finden, bilden einen Kernbereich der Volkskunde, Europäischen Ethnologie, Kulturanthropologie und Empirischen Kulturwissenschaft, dem lange Zeit die entsprechende Fokussierung und Kommunikation fehlte. Die Kommission schafft deshalb Strukturen, um Arbeitsprozesse zu fördern, WissenschaftlerInnen zu vernetzen und die Sichtbarkeit der volkskundlich-kulturwissenschaftlichen Forschung zu diesem Thema innerhalb wie außerhalb des Faches zu erhöhen.

Sprecherin und Sprecher der Kommission sind derzeit Prof. Dr. Ingrid Tomkowiak und Prof. Dr. Christoph Bareither.

Neue Mitglieder sind jederzeit herzlich willkommen – dies gilt sowohl für etablierte ExpertInnen als auch für Studierende und NachwuchswissenschaftlerInnen. Voraussetzung für die Aufnahme sind eine Mitgliedschaft in der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde und ein akademisches Interesse am Themengebiet der Kommission.

info@kpuv.de